Glossar

A

Aktion T4

Unter der Tarnbezeichnung „Aktion T4“ (benannt nach dem Sitz der zuständigen Dienststelle in der Berliner Tiergartenstraße 4) wurden zwischen Anfang 1940 und August 1941 70.000 kranke Erwachsene in den Gaskammern der sechs zu zentralen Tötungsanstalten umfunktionierten „Heil- und Pflegeanstalten“ in Grafeneck, Brandenburg, Hartheim, Pirna, Bernburg und Hadamar umgebracht. Organisationsform und technische Ausführung der Aktion standen Modell für die „Endlösung der Judenfrage“. Nach Protesten von kirchlicher Seite hatte Adolf Hitler 1941 die „Aktion T4“ formal eingestellt, dennoch fanden weiterhin Mordaktionen noch bis Kriegsende vor allem in Osteuropa statt.

Antisemitismus

Antisemiten betrachteten Juden pseudowissenschaftlich als geschlossene Abstammungseinheit mit erblichen negativen Eigenschaften, die diese daher durch keine Assimilation, weder christliche Taufe noch „bürgerliche Verbesserung“, ablegen könnten. In Form einer Verschwörungstheorie behaupteten sie, die jüdische Minderheit hätte einen übergroßen Einfluss auf die Gesellschaft und sei für eine Vielzahl tatsächlich oder vermeintlich negativer Entwicklungen in Staat, Wirtschaft und Kultur verantwortlich. In historisch beispielloser Schärfe und Konsequenz führten die Maßnahmen des NS-Regimes über den Judenboykott, Berufsverbote, Auswanderungsdruck, die Nürnberger Gesetze, die „Reichskristallnacht“, „Arisierung“ und Ghettoisierung bis zum als „Endlösung“ getarnten Holocaust. Im Januar 1939 kündigte Hitler die „Vernichtung der jüdischen Rasse in Europa“ im Falle eines Weltkriegs an. (Wikipedia).

Arisierung

im weiteren Sinne bezeichnete der Begriff die Maßnahmen der Nationalsozialisten zur Verdrängung der Juden aus Handel, Gewerbe und Wissenschaft zugunsten der als „Arier“ betrachteten deutschen Staatsbürger, die davon profitierten. Dieser Prozess begann mit der Machtübernahme 1933 und verschärfte sich ab 1938, als die damaligen Machthaber die als Juden kategorisierten Menschen zwangen, ihre Geschäfte, Firmen, Immobilien, Grundstücke sowie andere Wertgegenstände weit unter dem tatsächlichen Wert zu verkaufen. Ab Januar 1939 wurden sämtliche Betriebe jüdischer Eigentümer zwangsgeschlossen und Juden die Ausübung praktisch aller Berufe verboten. Die Arisierung erhöhte für Juden den ohnehin bestehenden Druck zur Auswanderung und nahm ihnen gleichzeitig die finanziellen Mittel dazu.

Aufbau

Aufbau ist der Name einer deutsch-jüdischen Zeitung, die im Jahre 1934 zunächst als Vereinsblatt des "German Jewish Club" in New York erschien. Mit der Bezeichnung "Aufbau", sollte die Erneuerung des deutsch-jüdischen Lebens in den USA assoziiert werden. Zu Anfang wurden neben Club-Nachrichten vorwiegend Artikel über jüdische Kultur und Zeitgeschehen und praktische Informationen für jüdische und andere deutschsprachige Flüchtlinge in den Vereinigten Staaten publiziert. Im Laufe der Zeit widmeten sich die Artikel zunehmend auch internationalen Ereignissen und vor allem der Situation der Juden in Deutschland . Der "Aufbau" entwickelte sich zu einer bedeutenden Anti-Nazi-Publikation im Exil. Viele bekannte Persönlichkeiten schrieben für den "Aufbau", u.a. Hannah Arendt , Albert Einstein, Thomas Mann und Stefan Zweig . Ende 2004 erwarb der Zürcher Verlag Jüdische Medien AG die Verlagsrechte und gibt seitdem das Nachfolgeblatt "Aufbau – Das jüdischen Monatsmagazin" heraus. Das "Leo Baeck Institute", New York, eine Dokumentations- und Forschungsstätte für die Geschichte und Kultur des deutschsprachigen Judentums, hat die Ausgaben des "Aufbau" von 1934 bis 2004 im Internet verfügbar gemacht, einzusehen unter http://archive.org/details/aufbau/

Auschwitz

Das Konzentrationslager Auschwitz, befand sich im vom Deutschen Reich besetzten Polen und hatte gleichzetig die Funktion eines Vernichtungslagers. Neben dem Stammlager Auschwitz, dem Vernichtungslager Birkenau und dem Arbeitslager Monowitz existierten noch etwa 50 weitere Außenlager. Die SS betrieb den Lagerkomplex von 1940 bis 1945 am Westrand der polnischen Stadt Oświęcim (dt.: Auschwitz). Die europaweit gefangen genommenen Menschen wurden per Bahn in das KZ Auschwitz transportiert. Etwa 90 % waren Juden. Die Herkunftsländer waren Belgien, Deutschland, Frankreich, Griechenland, Italien, Jugoslawien, Luxemburg, Niederlande, Österreich, Polen, Rumänien, Sowjetunion, Tschechoslowakei und Ungarn. Die Zahl der Todesopfer beläuft sich auf 1,1 bis 1,5 Millionen.

Auswanderung

Zwischen 1933 und 1941 floh über die Hälfte der etwa 500 000 Juden, Aktivisten der Arbeiterbewegung sowie politisch ausgegrenzte Künstler, Schriftsteller, Journalisten und Publizisten in mehreren Wellen aus Deutschland. Die erste Welle setzte nach der Machtübernahme im Januar 1933 und dem im April 1933 erlassenen „Gesetz zur Wiederherstellung des Berufsbeamtentums“ ein. Die zweite Welle folgte auf die „Nürnberger Gesetze“ (September 1935). Die dritte wurde durch das Pogrom vom 9./10. November 1938 ausgelöst. Ab 1938 wurde die Auswanderung durch zahlreiche Gesetze erschwert. So z.B. wurde eine „Reichsfluchtsteuer“ erhoben und die Menschen durften nur 10 RM Bargeld mitnehmen. Äußerst erschwerend waren die fast weltweit geltenden strengen Einwanderungsbestimmungen. Ab 1939 erlaubten nur noch wenige südamerikanische Staaten und Shanghai eine Einreise ohne Visum. Ab 23.10.1941 war den Juden die Auswanderung durch einen Erlass Heinrich Himmlers verboten.

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D

Davidstern

benannt nach König David, ein Hexagramm mit religiöser Bedeutung, z.B. für die Beziehung zwischen Mensch und Gott: Der Mensch hat sein Leben von Gott erhalten (nach unten weisendes Dreieck), der Mensch wird zu Gott zurückkehren (nach oben weisendes Dreieck). Die 12 Ecken stellen die zwölf Stämme Israels dar, die sechs Dreiecke stehen für die sechs Schöpfungstage, das große Sechseck in der Mitte für den siebenten, den Ruhetag.

Deportation

Bezeichnung für die von dem  nationalsozialistischen Regime betriebene Verschleppung von Millionen jüdischer Europäer, von Sinti und Roma, politisch Andersdenkenden und Widerstandskämpfern in Ghettos, Konzentrations- und Vernichtungslager. Die Deportationen wurden verharmlosend als „Evakuierung“ oder „Umsiedlung“ bezeichnet, um das eigentliche Ziel, die millionenfache Ermordung von Menschen, zu vertuschen.

Durchgangslager Drancy

Das 1941 errichtete „Sammellager“ Drancy im Nordosten von Paris war Durchgangsstation für die Deportation von Juden aus Frankreich. Vor dem Zweiten Weltkrieg hatte der Gebäudekomplex zunächst als Wohnsiedlung, dann als Kaserne gedient, bevor er zum „Sammellager“ für die Deportierten wurde. Bis zu 4.500 Menschen wurden hier untergebracht, zwischen dem 21. 8. 1941 und dem 17. 8. 1944 durchliefen über 70.000 Menschen dieses Lager. Sie wurden von dort mit der Bahn in die Vernichtungslager, insbesondere nach Auschwitz-Birkenau, deportiert.

Durchgangslager Westerbork

In der Nähe von Westerbork, einem Dorf in der ostniederländischen Provinz Drenthe, errichtete die niederländische Regierung 1939 ein Lager zur Unterbringung von jüdischen Flüchtlingen, die sich teils legal, teils illegal in den Niederlanden aufhielten. Nach dem Einmarsch deutscher Truppen in die Niederlande im Mai 1940 wurde das Lager unter deutscher Verwaltung betrieben und diente zunächst weiterhin als Wohnlager für die konzentrierte Unterbringung von jüdischen Flüchtlingen aus Deutschland und Österreich. Ab 1942 diente Westerbork als „Durchgangslager“ für die niederländischen Juden, von dem die Transporte in die Vernichtungslager im Osten ausgingen. Von Juli 1942 bis September 1944 wurden die Menschen in Zügen nach Auschwitz, Sobibór, Bergen-Belsen und Theresienstadt deportiert. Insgesamt belief sich die Zahl der über Westerbork deportierten Juden auf etwa 107.000, von denen nur etwa 5.000 überlebten.

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E

Euthanasie

„Euthanasie“ (griechisch für „schöner Tod“ oder „guter Tod“) meinte ursprünglich die bewusste Herbeiführung des Todes oder die Erleichterung des Sterbens durch Betäubungsmittel. Vom nationalsozialistischen Regime wurde das Wort als irreführende und verharmlosende Bezeichnung für die systematische Tötung physisch eingeschränkter und psychisch kranker Menschen verwendet. In unterschiedlichen Mordaktionen wurden zwischen 1939 und 1945 über 300.000 Menschen im Deutschen Reich und im besetzten Europa im Rahmen dieses Programms ermordet.
Unter dem Deckmantel von Pädagogik, Krankenpflege, Medizin und Wissenschaft führten die Nationalsozialisten eine Geheimaktion zur Tötung behinderter Kinder durch. Die „Kindereuthanasie“ begann 1939 und dauerte bis Kriegsende an. Initialzündung war der Fall eines schwer behinderten Jungen, der an die Kanzlei des Führers herangetragen wurde. Der Begleitarzt Hitlers, Dr. Karl Brandt, veranlasste die Ermordung des fünf Monate alten Kindes. Hitler befahl anschließend, dass in vergleichbaren Fällen ebenso zu verfahren sei und beauftragte die Kanzlei des Führers mit der Durchführung der „Kindereuthanasie“.
Im Rahmen der Euthanasie wurden auch Versuche an Menschen durchgeführt, an denen von Anfang an zahlreiche deutsche Ärzte und Wissenschaftler mitwirkten. Viele von ihnen begeisterten sich für biologistische Rassentheorien und rassistische Vererbungslehre und betrieben Forschungen zu deren „wissenschaftlichen“ Bestätigung. In den Konzentrationslagern führten sie „Selektionen“ und verbrecherische Menschenversuche durch. In manchen Konzentrationslagern bedienten sich skrupellose Ärzte der Häftlinge als „Versuchskaninchen“ für entsetzliche medizinische Experimente. Beinahe ausnahmslos war der wissenschaftliche Nutzen dieser Versuche ohne jeden Wert. Die Mehrheit der Opfer starb dabei oder wurde anschließend ermordet, um ihre Körper zu analysieren oder sie als Zeugen der Medizinverbrechen zu beseitigen. Andere blieben dauerhaft krank oder für immer verkrüppelt. Wer zunächst überlebte, aber nicht wieder zu relativer Gesundheit und zu ausreichenden Kräften kam, wurde zumeist bei einer der zahlreichen „Selektionen“ für den Tod in den Gaskammern ausgesondert.

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G

Gestapo

Die Geheime Staatspolizei (Gestapo) entstand 1933 als politische Polizei des nationalsozialistischen Regimes nach der rechtlichen und organisatorischen Umformung der politischen Polizeiorgane der Weimarer Republik. Zur Aufdeckung und Verfolgung aller Handlungen, die das Regime als politische Vergehen oder Verbrechen definierte, konnte die Gestapo als „vorbeugende Maßnahme“ gegen tatsächliche oder angebliche Gegner eine „Schutzhaft“ in Gefängnissen und Konzentrationslagern verhängen, Gefangene foltern und hinrichten.

Ghetto

Die nationalsozialistischen Besatzer errichteten Ghettos als Orte der Demütigung, Ausgrenzung und Ausbeutung der jüdischen Bevölkerung. Durch die Konzentrierung der jüdischen Bevölkerung in größeren Städten machten die Besatzer die Ghettos zu Sammel- und Zwischenstationen im Vorfeld weiterer Deportationen, häufig in Vernichtungslager. Ab 1940 wurden die Ghettos von der Außenwelt abgegrenzt. Besonders in Polen und in der Sowjetunion war die Errichtung von Ghettos fester Bestandteil Judenverfolgung. Derzeit ist die Existenz von etwa 1.200 Ghettos in Ostmittel- und Osteuropa belegt.

Ghetto Minsk

Unmittelbar nach dem Überfall auf die Sowjetunion errichteten die Besatzer im Juli 1941 das etwa zwei Quadratkilometer große Ghetto Minsk für ca. 100.000 einheimische Juden. Bereits im November 1941 wurden auch Juden aus dem Deutschen Reich in das Ghetto Minsk deportiert. Diese waren in einem „Sonderghetto“ untergebracht ohne nennenswerten Kontakt zum „Hauptghetto“. Fast alle Menschen, die unter unwürdigen und erbärmlichsten Bedingungen im Ghetto überlebt hatten, wurden entweder bei einem Massaker im Mai 1943 oder bei der Auflösung des Ghettos im September 1943 erschossen.

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H

Hadamar

Hadamar ist eine Stadt im Landkreis Limburg-Weilburg in Hessen.  Bekannt ist Hadamar für die am Stadtrand gelegene Klinik für Forensische Psychiatrie/Zentrum für Soziale Psychiatrie, in deren Nebengebäuden sich auch die Gedenkstätte Hadamar befindet. Das 1883 gegründete psychiatrische Krankenhaus wurde ab 1941 unter der Herrschaft des Nationalsozialismus zur NS-Tötungsanstalt Hadamar, in der mindestens 14.494 Behinderte, psychisch Kranke, so genannte „Halbjuden“ und „Ostarbeiter“ ermordet wurden. Die Menschen wurden in grauen Bussen angekarrt und die meisten sofort nach ihrem Eintreffen ermordet. Andere wurden vor ihrer Ermordung den grausamsten Untersuchungen und Praktiken ausgesetzt. Die Leichen wurden in den Öfen verbrannt. Heute erinnert eine Gedenkstätte an diese Verbrechen.

Holocaust

Das Wort „Holocaust“ kommt aus dem Griechischen; es bezeichnet ein religiöses Brandopfer. Heute steht es für die Ermordung von sechs Millionen Juden während der Zeit des Nationalsozialismus. Da die ursprüngliche Bedeutung des Wortes „Holocaust“ die Assoziation einer Selbstopferung der Juden zulässt, während sie in Wirklichkeit ermordet wurden, benutzen Juden selbst in der Regel das neu-hebräische Wort „Shoa“, das Sturm, plötzlichen Untergang und Verderben bedeutet.

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J

Jad („Hand“)

auch als Torafinger oder Torazeiger bezeichnet: ein Zeigestab zum Deuten auf Textstellen, meist ein silberner Stab, an dessen vorderem Ende sich eine Hand mit ausgestrecktem Zeigefinger befindet. Sie soll vor allem vermeiden, dass die meist Jahrhunderte alten, von einem Sofer handgeschriebenen als heilig geltenden Schriftrollen mit den Händen berührt, verschmutzt oder beschädigt werden.

Judenhäuser

Mit dem Reichsgesetz über die Mietverhältnisse von Ende April 1939 schränkte die nationalsozialistische Regierung den Mieterschutz sowie die freie Wohnungswahl für Juden erheblich ein. Den Wohnungsbehörden ermöglichte dieses Gesetz, Juden in bestimmten Häusern zu konzentrieren. Häuser jüdischer Eigentümer, in denen ab 1939 ausschließlich jüdische Mieter zwangsweise wohnen mussten, bezeichnete die damalige Terminologie als „Judenhäuser“. Eine direkte Beschlagnahme von Häusern zu diesem Zweck gab es nicht. 

Judenstern

Eine Polizeiverordnung vom September 1941 über die Kennzeichnung von Juden zwang alle im Deutschen Reich und im Protektorat Böhmen und Mähren von den Nationalsozialisten als jüdisch eingestuften Menschen ab dem sechsten Lebensjahr, sich einen gelben sechszackigen „Judenstern“ an ihre Kleidungsstücke zu heften. Ohne diesen durften sie sich nicht mehr in der Öffentlichkeit zeigen. Der Stern musste zudem mit dem Wort „Jude“ beschriftet und auf der linken Brustseite festgenäht sein.

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K

Kindertransporte

Unter dem Eindruck der Novemberpogrome im nationalsozialistischen Deutschland übten Hilfsorganisationen Druck auf die englische Regierung aus, doch zumindest Minderjährigen die Einreise zu erlauben. Kein anderer europäischer Staat war in einem solchen Umfang wie Großbritannien bereit, jüdische Kinder aus Deutschland, Österreich, der Tschechoslowakei sowie der Freien Stadt Danzig aufzunehmen. Gleichwohl sollten etwaige innenpolitische Spannungen weitestgehend vermieden werden. Daher mussten sämtliche anfallende Kosten von privaten Spendern übernommen werden. Mit Kriegsausbruch 1939 endeten die Kindertransporte, bis dahin waren etwa 10.000 Kinder in England aufgenommen worden. Dennoch lagen zu diesem Zeitpunkt der Reichsvertretung der Juden in Deutschland noch über 10.000 Anträge vor.

Kippa

eine vornehmlich in Ausübung der Religion gebräuchliche Kopfbedeckung männlicher Juden, kreisförmig aus Stoff oder Leder, manchmal mit einer Klammer an den Haaren befestigt. Üblich ist sie beim Gebet, überhaupt an allen Gebetsorten wie in der Synagoge oder auf jüdischen Friedhöfen. Viele orthodoxe Juden tragen sie auch im Alltag.

Konzentrationslager

Die von der SS geführten Konzentrationslager dienten der Internierung politischer Gegner und unerwünschter Minderheiten. Während des Zweiten Weltkriegs wurden sie immer mehr Sammelort für billige Arbeitskräfte, die vor allem in der Kriegsindustrie eingesetzt wurden. Die Häftlinge lebten unter menschenunwürdigen Bedingungen, sie schliefen auf einfachen Holzpritschen, bekamen wenig Essen und mussten schwer arbeiten. Tausende starben an Hunger, Erschöpfung, Krankheiten oder an den Folgen von Misshandlungen. Einige Konzentrationslager in den besetzten Gebieten in Osteuropa waren gleichzeitig Vernichtungslager. Dort wurde ab 1941 die „fabrikmäßige“ Ermordung von Juden, Sinti und Roma, Kriegsgefangenen und politischen Gegnern betrieben.

KZ Auschwitz

Das KZ Auschwitz, auch als Auschwitz I bezeichnet, wurde am 14. Juni 1940 in der preußischen Provinz Oberschlesien bei der polnischen Stadt Oswiecim  auf einem ehemaligen österreichisch-ungarischen Kasernengelände eingerichtet, zunächst als Haftstätte für polnische Oppositionelle und Intellektuelle. Seit März 1942 waren auch Frauen im Stammlager Auschwitz inhaftiert, für die bis Juli 1942 formal jedoch das KZ Ravensbrück zuständig war. Die Häftlinge kamen seit 1943 aus allen besetzten Ländern Europas; die Mehrzahl waren Juden. Die Lebensbedingungen waren von Beginn an mörderisch. Zehntausende starben an den Folgen körperlicher Schwerstarbeit beim Ausbau des Lagers, an völlig unzureichender Versorgung, durch medizinische Versuche oder wurden gezielt getötet. Seit Oktober 1941 mordete die SS in Auschwitz I erstmals mit Zyklon B. Die Rote Armee befreite Auschwitz am 27. Januar 1945. Insgesamt starben im Konzentrationslager Auschwitz und im Vernichtungslager Auschwitz-Birkenau mindestens 1,1 Million Menschen. „Auschwitz“ gilt als Synonym für die Nazi-Barbarei in allen KZs. Siehe auch: Konzentrationslager
Synonyme: KZ Auschwitz I KZ-Auschwitz I Auschwitz I

KZ Bergen-Belsen

Bergen-Belsen war ein nationalsozialistisches Konzentrationslager bei Hannover. Es wurde im Frühjahr 1941 von der Wehrmacht errichtet und diente zunächst als Lager für Kriegsgefangene. Bis Februar 1942 starben dort mindestens 18.000 sowjetische Kriegsgefangene. Ab April 1943 wurde Bergen-Belsen als Konzentrationslager für jüdische Gefangene genutzt. Ab März 1944 entwickelte sich Bergen-Belsen zu einem „Aufnahmelager“ für Häftlinge aus anderen Konzentrationslagern, die zumeist auf sogenannten Todesmärschen aus den frontnahen Konzentrationslagern dorthin getrieben worden waren. Ohne ärztliche Behandlung, ausreichende Nahrung und Unterkünfte überließ die Konzentrationslager-SS die Häftlinge ihrem Schicksal. Etwa 50.000 Häftlinge und 20.000 sowjetische Kriegsgefangene kamen im Lager ums Leben. Rund 14.000 Überlebende starben bis Ende Juni 1945 an den Folgen der Haftbedingungen.

KZ Buchenwald

Das Konzentrationslager Buchenwald in der Nähe von Weimar entstand 1937 auf dem Ettersberg. Die ersten Insassen waren politische Gegner des NS-Regimes, Zeugen Jehovas, Homosexuelle, Sinti und Roma sowie Strafgefangene. Ende 1938 wurden auch Tausende von Juden in Buchenwald inhaftiert. Ab Oktober 1942 wurden die meisten jüdischen Häftlinge nach Auschwitz deportiert und über 8.000 sowjetische Kriegsgefangene von der SS ermordet. Nach Auflösung der Lager im Osten überführte die SS Anfang 1945 Tausende der Insassen nach Buchenwald, das zu Jahresbeginn mit über 100.000 Häftlingen das größte noch bestehende Konzentrationslager war. Ab dem 6. April 1945 begann die Lagerleitung, die jüdischen Häftlinge auf „Todesmärsche“ zu schicken und verließ am 11. April das Lager. Am selben Tag trafen amerikanische Truppen im Lager ein. Im KZ Buchenwald waren insgesamt über 240.000 Menschen aus allen europäischen Ländern inhaftiert, von denen mindestens 50.000 starben.

KZ Dachau

Am 22. März 1933 wurde in der Nähe von Dachau bei München ein Konzentrationslager für männliche Häftlinge errichtet. Die ersten Häftlinge waren politische Gegner des NS-Regimes: Kommunisten, Sozialdemokraten, Gewerkschafter, teilweise auch liberale und konservative Politiker. Später folgten in der NS-Terminologie "Arbeitsscheue", „Kriminelle“, sowie Zeugen Jehovas, engagierte Christen, Sinti und Roma, Homosexuelle,  vor allem aber Juden. Nach Zerschlagung der „Rest-Tschechei“ im März 1939 und nach Beginn des Zweiten Weltkriegs im September 1939 wurden vor allem ausländische Häftlinge nach Dachau transportiert. Im Winter 1942 begannen SS-Ärzte in Dachau mit medizinischen Experimenten an Häftlingen. Alle jüdischen Häftlinge des Lagers wurden ab dem 5. Oktober 1942 nach Auschwitz deportiert. Um die Befreiung der Häftlinge durch anrückende alliierte Truppen zu verhindern, schickte die Lagerverwaltung am 26. April 1945 rund 7.000 Häftlinge auf einen „Todesmarsch“ in Richtung Süden. Am 29. April 1945 wurde Dachau von amerikanischen Einheiten befreit. Zwischen 1933 und 1945 waren in Dachau über 200.000 Menschen inhaftiert, mindestens 30.000 der registrierten Häftlinge kamen dort ums Leben.

KZ Sachsenhausen

Im August 1936 wurde das Konzentrationslager Sachsenhausen rund 35 Kilometer nordöstlich von Berlin bei Oranienburg gebaut. Zunächst wurden in Sachsenhausen politische Gegner inhaftiert. Später folgten Juden, Homosexuelle, Sinti und Roma, Zeugen Jehovas und Kriminelle. Tausende Häftlinge starben an Unterernährung, Krankheit, Erschöpfung und Misshandlungen oder wurden von der SS ermordet. Zehntausende Häftlinge wurden zur Zwangsarbeit herangezogen. Ab Oktober 1941 begannen Massenerschießungen, denen über 12.000 sowjetische Kriegsgefangene zum Opfer fielen. Als sich die Rote Armee im Vormarsch auf das Lager befand, wurden über 33.000 Häftlinge in Richtung Ostsee getrieben. Bei diesem „Todesmarsch“ starben ca. 6.000 Menschen. Etwa 3.000 im Lager verbliebene Häftlinge wurden am 22. April 1945 von polnischen und sowjetischen Einheiten befreit. Zwischen 1936 und 1945 waren mehr als 200.000 Menschen in Sachsenhausen inhaftiert, von denen mehrere Zehntausend die Haft nicht überlebten.

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M

Menora

der siebenarmige Leuchter, bei der Staatsgründung 1948 in das Staatswappen aufgenommen. Ursprünge liegen vermutlich in Babylonien als Symbol der Erleuchtung.

Mesusa

(Plural: Mesuzot) Das Wort bedeutet „Türpfosten“, bezeichnet aber meistens eine kleine Kapsel, die an der Tür eines jüdischen Hauses befestigt wird. Auf der Außenseite steht oft in hebräischen Buchstaben das Wort Schaddaj (= der Allmächtige). Innen steckt ein kleines Stück Pergament aus der Tora (Deuteronomium 6, 4-9 und 11, 18-21), geschrieben mit Gänsefeder von einem Sofer.

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N

Novemberpogrome 1938

In der Nacht vom 9. zum 10. November 1938 fanden in ganz Deutschland die bis dahin schwersten öffentlichen Ausschreitungen gegen Juden und ihre Einrichtungen in der Neuzeit statt. Der Begriff „Reichskristallnacht“ wurde von der damaligen Bevölkerung in Anspielung auf die bei den Ausschreitungen zerstörten Schaufensterscheiben jüdischer Läden geprägt. In der Presse wurden die Vorfälle heruntergespielt, in der NS-internen Aktensprache ist von der „Judenaktion“ oder der „Novemberaktion“ die Rede. Angehörige von SA, SS und Hitlerjugend sowie Sympathisanten steckten Synagogen in Brand und plünderten etwa 7.000 Geschäfte jüdischer Einzelhändler. Fast 100 Menschen wurden ermordet, Tausende jüdische Männer in Konzentrationslager – vor allem nach Dachau - verschleppt.

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R

Rassengesetzgebung „Nürnberger Gesetze“

Die „Nürnberger Gesetze“ wurden am 15. September 1935 auf dem Parteitag der NSDAP in Nürnberg beschlossen. Das „Reichsbürgergesetz“ sprach nur dem „Reichsbürger“ die vollen politischen Rechte zu; er wurde definiert als Staatsbürger „deutschen oder artverwandten Blutes“. Das „Gesetz zum Schutze des deutschen Blutes und der deutschen Ehre“ (kurz: „Blutschutzgesetz“) enthielt den neuen Straftatbestand „Rassenschande“, der Eheschließungen und Geschlechtsverkehr zwischen Juden und „Deutschblütigen“ unter Strafe stellte. Zwei Monate später erging die „Erste Verordnung zum Reichsbürgergesetz“, in der ausdrücklich festgelegt wurde, dass Juden keine „Reichsbürger“ sein könnten.

Reichsfluchtsteuer

Die „Reichsfluchtsteuer“ wurde durch die „Vierte Verordnung des Reichspräsidenten zur Sicherung von Wirtschaft und Finanzen und zum Schutz des inneren Friedens“ im Dezember 1931 von der Regierung Brüning eingeführt. Sie sollte in der Situation der verschärften Weltwirtschaftskrise sog. Kapitalflucht, also den plötzlichen Transfer von Vermögen, Geld, Edelmetallen oder Sachwerten ins Ausland, verhindern. Nach ihrem Machtantritt 1933 instrumentalisierten die Nationalsozialisten die „Reichsfluchtsteuer“ für ihre judenfeindliche Politik. Zur Emigration gezwungene Juden mussten ab 1938 die Hälfte ihres Privatvermögens an den Staat abtreten. Dazu kamen noch die Kosten der Auswanderung wie Passgebühren u.ä., „Vorzeigegelder“ sowie eine 1939 eingeführte „Auswanderungsabgabe“.

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S

Shoa

Das Wort "Shoa" ist ein Synonym für den in diesem Zusammenhang weit verbreiteten Begriff "Holocaust" und steht für die zentral gesteuerte Ermordung von sechs Millionen Juden während der Zeit des Nationalsozialismus. Das Wort "Holocaust" kommt aus dem Griechischen und bezeichnet ein religiöses Brandopfer. Da die ursprüngliche Bedeutung des Wortes "Holocaust" die Assoziation einer Selbstopferung der Juden zulässt, während sie in Wirklichkeit ermordet wurden, benutzen Juden selbst in der Regel das neu-hebräische Wort "Shoa", das "Sturm, plötzlichen Untergang und Verderben" bedeutet.

Schofar

Das Schofarhorn wird auch Halljahrsposaune oder Hallposaune genannt und ist ein altes Instrument des Vorderen Orients. Er wird nach in Tora und Talmud festgelegten Mitzwot (Geboten) geblasen, z.B. zum Morgengebet beim Neujahrsfest Rosch ha-Schana oder am Ende des Versöhnungstages Jom Kippur. Es sind genaue Tonfolgen und die Blasweise festgelegt.

Schutzhaft

Das Instrument der „Schutzhaft“ wurde vom NS-Regime dazu eingesetzt, politisch, „rassisch“ oder sozial missliebige Personen willkürlich festzunehmen und in Gefangenen- und Konzentrationslager zu deportieren. Als rechtliche Grundlage der „Schutzhaft“ wurde die – nach dem Reichstagsbrand erlassene – „Verordnung des Reichpräsidenten zum Schutz von Volk und Staat“ vom 28. Februar 1933 angesehen. Die „Schutzhaft“ unterlag keiner richterlichen Überprüfung, ihre Opfer hatten kein Recht auf anwaltlichen Beistand. Häufig diente sie – etwa nach einem Freispruch, der Entlassung eines Angeschuldigten aus der Untersuchungshaft oder im Anschluss an die Verbüßung einer Freiheitsstrafe – der Korrektur gerichtlicher Entscheidungen, die dem Regime missliebig waren.

Sofer

die jüdische Bezeichnung für einen Schreiber hebräischer Texte. Der Sofer schreibt von Hand Torarollen, Mesusot, Tefilin und Dokumente wie etwa Heiratsverträge. Der Beruf erfordert eine fundierte Ausbildung und genießt innerhalb des Judentums hohes Ansehen. Die biblischen Texte werden mit einer Vogelfeder (Gänsekiel oder Truthahnfeder) nach strengen Ritualen zu Papier gebracht. Jeder Buchstabe hat eine genau vorgeschriebene Schreibweise. Der Text darf keinerlei Fehler aufweisen, ansonsten gilt er als rituell unrein.

Symbole auf den Grabsteinen des Friedhofs (sehr selten bei Frauen)

SEGNENDE HÄNDE: Kohenim (=aaronitisches Priestergeschlecht), KANNE & SCHÜSSEL: Symbole der Rituellen Waschung bei Leviten (= Diener im Jerusalemer Tempel), KRONE: Tora-Symbol der Gelehrsamkeit oder Frömmigkeit (siehe auch: DAVIDSSTERN und GESETZESTAFELN), GEFALLENER BAUM oder ABGEBROCHENER AST: junges Alter des Verstorbenen, SCHLANGE: Ewigkeit, SANDUHR: Vergänglichkeit, LEUCHTER (evtl. mit abgebrochenen Kerzen): Todessymbol bei Frauen; TIERSYMBOLE für Namen: Löwe (Arie), Hirsch (Zwi), Karpfen, Fisch, Bär, Adler u.a.

Symbole des jüdischen Glaubens

DAVIDSSTERN: benannt nach König David, ein Hexagramm mit religiöser Bedeutung, z.B. für die Beziehung zwischen Mensch und Gott: Der Mensch hat sein Leben von Gott erhalten (nach unten weisendes Dreieck), der Mensch wird zu Gott zurückkehren (nach oben weisendes Dreieck. Die 12 Ecken stellen die Zwölf Stämme Israels dar, die sechs Dreiecke stehen für die sechs Schöpfungstage, das große Sechseck in der Mitte für den siebenten, den Ruhetag.
JAD („HAND“): (auch als Torafinger oder Torazeiger bezeichnet): ein Zeigestab zum Deuten auf Textstellen, meist ein silberner Stab, an dessen vorderem Ende sich eine Hand mit ausgestrecktem Zeigefinger befindet. Sie soll vor allem vermeiden, dass die meist Jahrhunderte alten, von einem Sofer handgeschriebenen als heilig geltenden Schriftrollen mit den Händen berührt, verschmutzt oder beschädigt werden.
KIPPA: eine vornehmlich in Ausübung der Religion gebräuchliche Kopfbedeckung männlicher Juden, kreisförmig aus Stoff oder Leder, manchmal mit einer Klammer an den Haaren befestigt. Üblich ist sie beim Gebet, überhaupt an allen Gebetsorten wie in der Synagoge oder auf jüdischen Friedhöfen. Viele orthodoxe Juden tragen sie auch im Alltag.
MENORA: der siebenarmige Leuchter, bei der Staatsgründung 1948 in das Staatswappen aufgenommen. Ursprünge liegen vermutlich in Babylonien als Symbol der Erleuchtung.
MESUSA: Das Wort bedeutet „Türpfosten“, bezeichnet aber meistens eine kleine Kapsel, die an der Tür eines jüdischen Hauses befestigt wird. Auf der Außenseite steht oft in hebräischen Buchstaben das Wort Schaddaj (= der Allmächtige). Innen steckt ein kleines Stück Pergament aus der Tora (Deuteronomium 6, 4-9 und 11, 18-21), geschrieben mit Gänsefeder von einem Sofer.
SCHOFAR: Das Schofarhorn wird auch Halljahrsposaune oder Hallposaune genannt und ist ein altes Instrument des Vorderen Orients. Er wird nach in Tora und Talmud festgelegten Mitzwot (Geboten) geblasen, z.B. zum Morgengebet beim Neujahrsfest Rosch ha-Schana oder am Ende des Versöhnungstages Jom Kippur. Es sind genaue Tonfolgen und die Blasweise festgelegt.
TALLIT: Der Gebetsmantel oder Gebetsschal ist mit Schaufäden (Zipfelquasten) versehen. Diese Zizit sind fransenähnliche Fäden an den 4 Ecken, 8 Fäden pro Zizit, 5 Knoten in den Fäden. Dies ergibt 613, die Anzahl der Mizwot, also der Ge- und Verbote der Tora.
TEFILIN: Gebetsriemen gemäß dem Toragebot „Du sollst sie (die Worte Gottes) als ein Zeichen auf deine Hand binden und sie sollen wie ein Band zwischen deinen Augen sein“ (Exodus 13,9 und 16, Deuteronomium 6,8 und 11,8).
TORA: Die Hauptquelle jüdischen Rechts, jüdischer Ethik und Wegweiser für Denken und Lebenswandel, für Beziehungen zwischen Menschen und Gott und zwischen den Menschen. Regelmäßig und abschnittsweise wird im Laufe des Jahres an allen Sabbat- und Feiertagen, Montagen und Donnerstagen, da sie einst Markttage waren, aus der Tora gelesen. Die handgeschriebene Rolle ist auf 2 Stäbe gewickelt. Auf ihr befinden sich 613 Ge- und Verbote. Sie wird auch Pentateuch genannt: die 5 Bücher Moses.

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T

Tallit

Der Gebetsmantel oder Gebetsschal ist mit Schaufäden (Zipfelquasten) versehen. Diese Zizit sind fransenähnliche Fäden an den 4 Ecken, 8 Fäden pro Zizit, 5 Knoten in den Fäden. Dies ergibt 613, die Anzahl der Mizwot, also der Ge- und Verbote der Tora.

Tefilin

Gebetsriemen gemäß dem Toragebot „Du sollst sie (die Worte Gottes) als ein Zeichen auf deine Hand binden und sie sollen wie ein Band zwischen deinen Augen sein“ (Exodus 13,9 und 16, Deuteronomium 6,8 und 11,8).

Tora

Die Hauptquelle jüdischen Rechts, jüdischer Ethik und Wegweiser für Denken und Lebenswandel, für Beziehungen zwischen Menschen und Gott und zwischen den Menschen. Regelmäßig und abschnittsweise wird im Laufe des Jahres an allen Sabbat- und Feiertagen, Montagen und Donnerstagen, da sie einst Markttage waren, aus der Tora gelesen. Die handgeschriebene Rolle ist auf 2 Stäbe gewickelt. Auf ihr befinden sich 613 Ge- und Verbote. Sie wird auch Pentateuch genannt: die 5 Bücher Moses.

Tötungsanstalt Hadamar

Ende 1940 wurde die Landesheilanstalt Hadamar bei Limburg umgebaut, um sie als Tötungsanstalt für die „Aktion T4“ einzusetzen. Eine Gaskammer, ein Sezierraum und zwei Verbrennungsöfen wurden installiert, außerdem wurde eine Busgarage errichtet. Zwischen Januar und August 1941 starben in dieser Gaskammer 10.122 Menschen. In einer zweiten Mordphase übernahm die Anstalt erneut die Funktion einer Tötungsanstalt. Von August 1942 bis zum 26. März 1945 starben weitere 4411 Menschen.

Tötungsanstalt Pirna-Sonnenstein

Die Tötungsanstalt Pirna-Sonnenstein befand sich in der ehemaligen Festung Schloss Sonnenstein bei Pirna. In diesen Räumen wurden in den Jahren 1940 und 1941 im Rahmen der „Aktion T4“ 13.720 Menschen umgebracht. Dabei handelte es sich vorwiegend um psychisch Kranke und geistig Behinderte, aber auch um Häftlinge aus Konzentrationslagern.

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V

Vernichtungslager

Die ersten Vernichtungslager entstanden Ende 1941, weil die Besatzungsorgane sich eine gezielte und konzentrierte Ermordung von möglichst vielen Menschen wünschten. In Chelmno-Kulm, Belzec, Sobibór und Treblinka wurden die ankommenden Häftlinge unmittelbar in Gaskammern getötet. In den beiden größten Vernichtungslagern Auschwitz-Birkenau und Lublin-Majdanek, die an Konzentrationslager angeschlossen waren, wurde ein Großteil der Häftlinge unmittelbar nach der Ankunft ermordet. Einige mussten zunächst bis zur vollständigen körperlichen Erschöpfung arbeiten. Waren sie krank oder nicht mehr kräftig genug, kamen sie in den für die Vernichtung bestimmten Lagerbezirk. 

Vernichtungslager Auschwitz-Birkenau

Das Lager Auschwitz-Birkenau, auch Auschwitz II genannt, wurde wenige Kilometer entfernt vom Stammlager Auschwitz auf dem Areal des Dörfchens Brzezinka (Birkenau) errichtet. Die Arbeiten begannen 1941 mit Häftlingen aus dem Stammlager, ab 1942 leitete die SS Transporte direkt nach Birkenau. Seit Sommer 1942 wurden die aus nahezu ganz Europa deportierten Juden bei ihrer Ankunft an der Rampe von Birkenau nach ihrer Arbeitsfähigkeit „selektiert“. Nur wer als Häftling registriert wurde, erhielt eine Nummer; alle übrigen wurden unmittelbar nach ihrer Ankunft in den Gaskammern erstickt. Bis Sommer 1944 ließ das RSHA 1,1 Millionen Juden nach Birkenau deportieren, von denen etwa 900.000 unmittelbar nach ihrer Ankunft ermordet wurden. Auch etwa 20.000 Sinti und Roma starben an den verheerenden Bedingungen im „Zigeunerlager“ oder wurden im Gas erstickt. Am 27. Januar 1945 befreite die Rote Armee 7.000 schwerkranke Häftlinge.

Vernichtungslager Kulmhof

Nahe dem Dorf Chelmno, 70 km nordwestlich von Lódz, wurde im Dezember 1941 das Vernichtungslager Kulmhof errichtet, das aus einem sogenannten Schloss und einem Waldlager bestand. Es wurde vom Dezember 1941 bis März 1943 genutzt und dann erneut vom April 1944 bis Januar 1945. Im Vernichtungslager Kulmhof wurden etwa 152.000 Menschen getötet. Die Ermordeten waren vor allem Juden aus dem Warthegau und dem Ghetto Lódz, Roma aus dem Burgenland und russische Kriegsgefangene. Im Vernichtungslager Kulmhof machte die Konzentrationslager-SS bei der Ermordung der Menschen exzessiven Gebrauch von Gaswagen.

Vernichtungslager Lublin-Majdanek

Das KZ Majdanek war das erste deutsche Konzentrationslager der SS-Inspektion der Konzentrationslager (IKL) im besetzten Polen. Wie Auschwitz-Birkenau war das KZ Majdanek zeitweise auch ein Vernichtungslager. Es bestand von Oktober 1941 an, bis es am 23. Juli 1944 als erstes Lager von der Roten Armee befreit wurde. Ein Großteil der Inhaftierten waren polnische politische Gefangene und Juden, darüber hinaus war das Lager auch Sammelstelle für die deportierte Landbevölkerung aus Polen und der Sowjetunion. Nach Aufständen in den beiden Vernichtungslagern Sobibór und Treblinka erschoss die Konzentrationslager-SS in Majdanek im November 1943 innerhalb weniger Stunden 17.000 Juden. So sollten mögliche Widerstandsaktionen verhindert werden. Insgesamt wurden bis zum Juli 1944 78.000 Menschen umgebracht, davon mindestens 60.000 Juden.

Vernichtungslager Maly Trostinec

Das Venichtungslager Maly Trostinec lag etwa zwölf Kilometer südöstlich von Minsk in ländlicher Gegend und unterstand dem Kommandeur der Sicherheitspolizei für Weißrussland. Am 28.6.1941 marschierte die deutsche Wehrmacht in Minsk ein. Zwischen 1942 und 1944 wurden in dem Lager zwischen 40.000 und 60.000 Menschen ermordet, vor allem Juden. Seit April 1942 arbeiteten zwischen 500 und 1.000 jüdische und nichtjüdische Häftlinge auf der 20 Hektar großen Kolchose, dem "Gut des Kommandanten". Am 17.5.1942 wurden etwa 1.000 Juden aus Minsk direkt nach der Ankunft in einem nahegelegenen Wald erschossen. Im Sommer 1942 wurden vor allem weißrussische Juden in Gaswagen ermordet. Mindestens 19.000 Juden wurden in 23 Transporten aus Wien, Theresienstadt, Köln und Königsberg in Maly Trostinec getötet. In der Forschung sind die Opferzahlen noch immer nicht zweifelsfrei gesichert.

Vernichtungslager Sobibor

Im Herbst 1941 beauftragte Heinrich Himmler den SS-und Polizeiführer des Distrikts Lublin mit der Ermordung der dort lebenden Juden. Nach dem Vorbild des bereits fertiggestellten Vernichtungslagers Belzec begann die SS einige Monate später mit dem Bau des Todeslagers Sobibór bei Lublin. Anfang Mai 1942 erreichten die ersten Transporte mit polnischen, österreichischen und tschechischen Juden das Vernichtungslager. Im Oktober 1942 gingen in Sobibór sechs neue Gaskammern in Betrieb, in denen etwa 1.300 Menschen gleichzeitig umgebracht werden konnten. Im Juli 1943 ordnete Himmler die Umwandlung Sobibórs in ein Konzentrationslager an, in dem erbeutete Munition sortiert und gelagert werden sollte. Obwohl auf dem Lagergelände bereits mit ersten Bauarbeiten für die neue Funktion Sobibórs begonnen wurde, waren die Häftlinge von der baldigen Liquidierung des Lagers überzeugt. Am 14. Oktober 1943 organisierten sie einen Aufstand, in dessen Folge einigen Gefangenen die Flucht gelang. Nach dieser Revolte ermordete die SS alle im Lager befindlichen Juden und zerstörte sämtliche Gebäude.

Vernichtungslager Treblinka

Im Sommer 1942 errichtete die SS bei Treblinka ein Vernichtungslager zur Ermordung von Juden im Rahmen der „Endlösung“. Die Massentötungen begannen am 23. Juli 1942. Den ankommenden Juden wurde erklärt, sie befänden sich in einem „Durchgangslager“ und würden nach dem Duschen in ein Arbeitslager überstellt. Nach Männern und Frauen getrennt, mussten die Deportierten sich ausziehen und ihr Gepäck abgeben. Anschließend trieb man sie in die als „Duschräume“ getarnten Gaskammern. Ein aus Juden bestehendes Arbeitskommando musste anschließend die Leichen nach versteckten Wertsachen durchsuchen und in Massengräber werfen. Bis zum Frühjahr 1943 wurden hunderttausende polnische, slowakische, griechische, mazedonische und jugoslawische Juden in Treblinka vergast. Anfang März 1943 ließ die SS die Massengräber öffnen und die Leichen verbrennen. Am 2. August 1943 gelang es einigen Häftlingen, Waffen zu erbeuten und zu fliehen. Die zurückgebliebenen Gefangenen wurden erschossen. Anschließend ließ die SS das Lager abreißen. In dem Vernichtungslager Treblinka wurden innerhalb eines Jahres über 900.000 Menschen ermordet. Nach einem Häftlingsaufstand haben rund siebzig Menschen überlebt.

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Westerbork (Durchgangslager)

In der Nähe von Westerbork, einem Dorf in der ostniederländischen Provinz Drenthe, errichtete die niederländische Regierung 1939 ein Lager zur Unterbringung von jüdischen Flüchtlingen, die sich teils legal, teils illegal in den Niederlanden aufhielten. Nach dem Einmarsch deutscher Truppen in die Niederlande im Mai 1940 wurde das Lager unter deutsche Verwaltung betrieben und diente zunächst weiterhin als Wohnlager für die konzentrierte Unterbringung von jüdischen Flüchtlingen aus Deutschland und Österreich. Ab 1942 diente Westerbork als „Durchgangslager“ für die niederländischen Juden, von dem die Transporte in die Vernichtungslager im Osten ausgingen. Von Juli 1942 bis September 1944 wurden die Menschen in Zügen nach Auschwitz, Sobibór, Bergen-Belsen und Theresienstadt deportiert. Insgesamt belief sich die Zahl der über Westerbork deportierten Juden auf etwa 107.000, von denen nur etwa 5.000 überlebten.

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